Deutscher Jugendvideopreis

Bundesfestival Video 2010:

Grußwort von Dr. Kristina Schröder,
Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Liebe Besucherinnen und Besucher des Bundesfestivals Video,
liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Bundesmedienwettbewerbe,

besondere Momente im Leben beschreiben wir als „ganz großes Kino“. Wenn etwas gründlich daneben geht, dann sehen wir uns „im falschen Film“. Mit Ihrem Besuch des Bundesfestivals Video sind Sie ganz sicherlich nicht im falschen Film. Im Gegenteil: Die Beiträge, die Sie hier sehen werden, sind durch die Bank erstklassig.

Knapp 5900 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben in diesem Jahr beim Deutschen Jugendvideopreis mitgemacht und insgesamt 601 Videofilme eingereicht. Das sind so viele wie nie zuvor. Auch die Resonanz auf den altersübergreifenden Wettbewerb Video der Generationen ist mit 1000 Teilnehmenden und 153 Filmen enorm hoch. Die Leidenschaft für die Mediengestaltung wächst auch bei Seniorinnen und Senioren, was einen regen Austausch zwischen jungen und älteren Videofilmern beim Bundesfestival Video 2010 verspricht.

Ob alt oder jung: Unter den Wettbewerbsteilnehmern sind vielversprechende Talente. In ihren Filmen beziehen sie mutig Standpunkte, stellen gewohnte Sichtweisen in Frage und rücken ihre eigenen Themen in den Fokus. Das sind Schlüsselkompetenzen im Medienzeitalter, die das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit den Bundesmedienwettbewerben Deutscher Jugendvideopreis und Video der Generationen fördern will.

Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Wettbewerbe, die auf dem Festival mit einem eigenen Beitrag vertreten sind, gratuliere ich herzlich zu diesem Erfolg! Bedanken möchte ich mich bei den Mitgliedern der Auswahlgremien und Jurys, beim KJF, das die Wettbewerbe im Auftrag meines Ministeriums organisiert, sowie bei den Veranstaltern und Unterstützern des Festivals in Ludwigsburg. Den Besuchern schließlich wünsche ich viele spannende und unterhaltsame Eindrücke auf dem Bundesfestival. Freuen Sie sich auf ganz großes Kino!

 

Abschlussrede Bundesfestival Video 2010

Andreas Friedrich, Filmakademie Baden-Württemberg, 13.06.2010

Andreas Friedrich

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gäste,

als Zwölfjähriger war es um mich geschehen. Und wer war schuld? George Lucas. Damals, als er neben dem Kommerz auch noch im Sinn hatte, interessante Geschichten zu erzählen. Ich saß im Kino, im zweiten Teil der Star Wars-Saga, "Das Imperium schlägt zurück", und starrte gebannt auf die Leinwand. Der imperiale Sternenzerstörer, der sich mit einem ominös-bedrohlichen Geräusch langsam seinen Weg ins Bild bahnte, wollte einfach kein Ende nehmen. Und dann dieser merkwürdig röchelnde Mann in Schwarz mit dem noch merkwürdigeren blank polierten schwarzen Helm – so viel größer als das Leben und als alles, was ich damals kannte. Instinktiv wusste ich: sowas kann nur der Film.

Mir wäre aber nie in den Sinn gekommen, mich beruflich mit Film zu befassen. Auch außerhalb Baden-Württembergs gilt schließlich die Devise: Lern lieber was Gescheites. Also schrieb ich mich irgendwann in Mainz an der Uni ein mit den Fächern Anglistik, Amerikanistik und Germanistik. Gut, ob einem ausgerechnet diese Fächerkombination eine goldene finanzielle Zukunft verheißt, sei dahingestellt.

Jedenfalls war ich schon recht weit mit dem Studium fortgeschritten, als der Zufall zuschlug. In Mainz machte das Institut für Filmwissenschaft neu auf. Nach kurzer Rücksprache mit meinen Eltern (zwecks Finanzierung) überließ ich den mittelhochdeutschen Minnesang und weitere germanistische Highlights trotz erfolgreich absolviertem Grundstudium Anderen und stürzte mich auf die Filmwissenschaft – die vermutlich beste Entscheidung meines Lebens.

Nicht immer war mir dabei das Wohlwollen meiner Kommilitonen aus anderen Fachbereichen sicher. "Na, macht ihr es euch heute wieder mit Charlie Chaplin gemütlich?", hieß es da. Ich merkte schnell, dass der Film es schwer hat, als Kunstform ernst genommen zu werden. Das mag daran liegen, dass er seine Ursprünge im Varieté hat. Es mag auch an seelenlosen Hollywood-Blockbustern wie "Transformers" liegen, deren einzige Kunst darin besteht, dreiste Werbung für amerikanischen Militarismus und reaktionäre republikanische Politik zu machen. Es könnte aber auch an der Ingoranz und Hochnäsigkeit mancher Vertreter älterer Fakultäten wie der Bildenden Kunst oder der Literatur liegen. Dabei liegt es doch auf der Hand. Um ein gutes Bild zu malen, braucht es einen guten Maler. Um einen guten Roman zu schreiben, braucht es einen guten Schriftsteller. Für einen guten Film braucht es so viel mehr.

Der Drehbuchautor muss ein spannendes Skript und ausgefeilte Dialoge liefern, der Kameramann muss einprägsame Bilder liefern, der Regisseur muss die Schauspieler führen und sie inszenieren können oder, im Bereich des Dokumentarfilms, recherchieren und sich in Menschen hineinversetzen können, um ihnen in Interviews persönliche Dinge zu entlocken. Die Schauspieler müssen überzeugend agieren. Der Produzent muss nicht nur finanziell und organisatorisch die Zügel in der Hand halten, sondern im konstanten kreativen Dialog mit dem Autor und dem Regisseur für einen künstlerischen Erfolg sorgen. Der Szenenbildner muss authentische oder bei Bedarf auch fantastische Kulissen bauen. Der Cutter muss im Schneideraum für eine strafffe Dramaturgie, der Animator am Rechner und der Sounddesigner am Mischpult für glaubhafte Effekte sorgen. Der Filmmusiker muss den richtigen emotionalen Ton treffen. Ein herausragendes filmisches Meisterwerk entsteht nur, wenn alle diese Faktoren perfekt ineinander greifen.

Im Bereich Video – und damit komme ich zum Anlass unseres heutigen Zusammentreffens – übernimmt sogar nur eine Person mit Hilfe der kompakten modernen Videotechnologie und digitaler Schnittsysteme gleich mehrere der eben genannten Aufgaben. Insbesondere für einen Hobbyfilmer ist das unter Umständen keine leichte Übung – selbst wenn er sich nicht an eine Weltraumoper heranwagt.

Aber es kann auch verdammt viel Spaß machen, einfach mit der Kamera loszuziehen und später zuhause am Computer – im wahrsten Sinne des Wortes – in Eigenregie seinen persönlichen Videofilm herzustellen. Mit dem Bundesfestival Video existiert zum Glück eine Plattform, die die vielen jungen und junggebliebenen filmbegeisterten Praktiker aus ganz Deutschland an einem Ort zusammenführt.

In den letzten vier Jahren war Ludwigsburg und war die Filmakademie dieser Ort. Nun zieht das Festival weiter, und somit ist es Zeit für ein wenig Wehmut, vor allem aber, um Dank zu s agen.

In erster Linie natürlich den zahlreichen Teilnehmern, die sich hier eingefunden und den Campus und das Festival mit Leben und kreativer Engergie gefüllt h aben.

Dem Referatsleiter Hans-Peter Bergner und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend dafür, dass sie sich für Ludwigsburg als Austragungsort des Bundesfestivals Video entschieden hab en.

Den anderen Veranstaltern, die zusammen mit der Filmakademie das Bundesfestival gestemmt haben:

  • dem Festivalleiter Christian Exner sowie Frau Dr. Eva Bürgermeister vom Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland
  • Prof. Dr. Horst Niesyto und der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg
  • dem Oberbürgermeister Werner Spec und der Stadt Ludwigsburg

 

Den Mitveranstaltern:

  • Thomas Langheinrich und der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg
  • dem Evangelischen Medienhaus
  • und dem Landesmedienzentrum Baden-Württemberg

 

Und selbstverständlich den vielen Partnern und Medienpartnern des Bundesfestivals, die ich an dieser Stelle nicht alle nennen kann.

Zu guter Letzt erlauben Sie mir bitte, den Mitarbeitern der Filmakademie zu danken, die vier Jahre lang für einen reibungslosen Ablauf des Festivals gesorgt haben.

Stellvertretend möchte ich hier unsere Studio- und Kinotechniker herausgreifen: Matthias Wagenführ, Bernhard Alphons und Uwe Sliupas.

Unsere Mitveranstalter und Partner mögen mir verzeihen. Als Filmakademie-Mitarbeiter weiß ich natürlich nicht, wer sich bei ihnen besonders ins Zeug gelegt hat. Aber ich durfte vier Jahre lang erleben, wie sich an der Filmakademie eine Person mit unermüdlichem Eifer und Enthusiasmus für das Bundesfestival Video eingesetzt und entscheidend zu seinem Gelingen beigetragen hat.

Und daher möchte ich Sie noch um einen Sonderapplaus bitten für einen jungen Mann, der das Bundesfestival, solange es in Ludwigsburg stattfand, zu seinem Projekt gemacht hat: Wolfgang Kerber.

Wo Wehmut ist, da ist immer auch ein Aufbruch in die Zukunft. Ich bin sicher, das Bundesfestival Video wird auch im kommenden Jahr an einem anderen Ort einen würdigen Rahmen finden. Ich wünsche Ihnen, liebe Wettbewerbsteilnehmer, dass Sie sich den Enthusiasmus, der in Ihren Filmen deutlich wird, erhalten und sich weiterhin in spannende Projekte stürzen. Und sollten Sie einmal in eine kreative Krise geraten – Sie dürfen mir glauben, auch unsere Studierenden durchlaufen im Laufe ihrer Akademiezeit mindestens eine – dann denken Sie einfach daran, dass selbst ein einzelner Mensch genügt, um einen riesigen Todesstern zur Explosion zu bringen. Sie müssen nur daran glauben, dass die Macht mit Ihnen ist.