
Hinterher ist man immer schlauer. Stimmt schon – bei mir hat’s auch eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, worum es beim Filmemachen eigentlich geht. Darum, dass man alles machen kann, so lange man sich dabei selbst treu bleibt.
Als ich meinen ersten Übungsfilm „Nur Schreiner machen Frauen glücklich“ an der Münchner Filmhochschule fertiggestellt hatte, war ich unendlich stolz. Andere konnten das gar nicht verstehen, z. B. mein Bruder; O-Ton: „Der langweiligste Film, den ich je gesehen habe!“ Meine Enttäuschung war so groß, dass dieser Film sofort in der Schublade verschwand. Wolfgang Längsfeld, mein damaliger Professor an der HFF, erinnerte sich nach einem halben Jahr an den Film und meinte, dass ich ihn auf dem Münchner Studentenfilmfest zeigen solle. So aufgeregt wie damals war ich vorher wohl noch nie. Aber schon nach ein paar Minuten spürte ich, dass ich mit meiner Geschichte den Nerv des Publikums getroffen hatte – eine Frau kam anschließend sogar zu mir und bedankte sich für „diesen wunderbaren Film“ – Wahnsinn!
Ich saß selbst mit im Kino und wusste auf einmal genau, welche Szenen ich jetzt ganz anders machen würde. Fazit: Für meinen 20-Minuten-Schinken hätten auch zehn Minuten genügt. Zu meiner Überraschung bekam ich an diesem Abend auch noch einen Preis für diesen Film. Aber man darf sich halt nicht zu früh freuen, denn als ich am nächsten Tag in meiner Studenten-WG die Zeitung aufschlug, wurde ich so richtig abgewatscht: „... wie solch Alpenkitsch einen Preis gewinnen kann!?“. Es hat ein bisserl gedauert, bis ich kapiert habe, was mir dieses Erlebnis sagen soll. Zum einen sind die Geschmäcker verschieden. Am Ende zählt letztlich nur dein eigener Geschmack. Was gefällt dir an (d)einer Geschichte und was nicht. Zweitens, wie finde ich heraus, was mir gefällt? Ganz einfach, indem man bei möglichst vielen Festivals seinen Film laufen lässt und vor allem selbst dabeisitzt, andere Filme anschaut, andere Erzählweisen kennen lernt.
Und keine Angst vor Kritik. Mich ärgert Kritik immer dann, wenn sie berechtigt ist. Das sind oft Szenen, in denen ich etwas imitiert habe, und Geschichten, die nichts mit mir zu tun haben. Wird eine Szene aber kritisiert, die ich tatsächlich so erlebt habe und die „echt Rosenmüller“ ist, prallt das an mir ab. Denn diese Filme sind Spiegel meiner Gedanken und Erlebnisse. Was ich erzählen wollte, ist Teil von mir, ist auch ein Stück Heimat.
Heute sage ich, dass eine der wichtigsten Voraussetzungen, um mit seinem Werk zufrieden sein zu können, ist, sich beim Filmemachen nie selbst anzulügen – sich treu zu bleiben. In diesem Sinne – viel Spaß beim Bundesfestival Video und jede Menge toller Ideen für eure eigenen Filme!