Der Spaß am Filmen ist ungebrochen
Beziehung, Liebe und Sexualität bestimmende Themen des Festival-Jahrgangs 2008, eigenständige Werke und gefühlvolle Filmsprache.
Über 3.500 Kinder und Jugendliche im Alter bis 25 Jahre haben in diesem Jahr insgesamt 457 Filmproduktionen zum ‚Deutschen Jugendvideopreis‘ eingereicht. Damit wird das beeindruckende Niveau in Anzahl und Qualität weiter gefestigt. Der ‚Deutsche Jugendvideopreis‘ gehört mit dieser erfreulichen Entwicklung seit mehr als 20 Jahren zu den renommiertesten und größten Nachwuchsfilmwettbewerben in Deutschland. Er wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gestiftet und vom Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland organisiert.
Der Spaß am kreativen Umgang mit dem Medium Film steht bei der Mehrzahl der jungen Filmemacher im Mittelpunkt. Filme entstehen oft in Gruppenarbeit und tragen zur Identitätsbildung und Selbstvergewisserung der Jugendlichen bei. Aktive Filmarbeit ermöglicht darüber hinaus Rückschlüsse auf deren Lebenswirklichkeit. So lassen sich aus den Themen und der filmgestalterischen Umsetzung immer wieder jugendkulturelle und jugendpolitische Trends ablesen.
Die Furcht vor einem Außenseiter-Dasein gehört seit jeher zu den typisch jugendlichen Befindlichkeiten und spiegelt sich im diesjährigen Festival-Jahrgang deutlich wider. Inhaltlich wird das Thema beispielsweise an einer (scheinbaren) Beziehungsunfähigkeit zum anderen Geschlecht oder den Erfahrungen des Neu-Seins an einer Schule aufgearbeitet. Protagonisten anderer Filme wiederum reflektieren ihr eigenes Leben und stellen fest, dass es oft grotesk wirkt, wenn man dabei permanent nach Perfektion strebt.
Auffallend an zahlreichen Filmen des Jahrgangs 2008 sind ausdrucksstarke und geradezu intime Filme von Mädchen und jungen Frauen, die in ihren Produktionen sehr persönliche Einblicke in ihr Leben gestatten.
Beziehungen, Liebe und Sexualität sind als Jugendthemen zwar nicht neu, erfahren aber in den nominierten Filmen überraschende Perspektivenwechsel und beeindrucken mit einem überzeugenden Erzählstil. Die Vielzahl der Filme, die unterschiedlichen thematischen Ansätze und die wechselnden Genres in der Umsetzung machen „Beziehungen“ damit zu dem beherrschenden Thema des 2008er Festivals. Denn sowohl beim ‚Deutschen Jugendvideopreis‘ als auch im Wettbewerb ‚Video der Generationen‘ erhält der Zuschauer eine Vorstellung davon, welche Sorgen und Ängste – aber auch welche Hoffnungen in Beziehungsfragen stecken: Die Bandbreite reicht von Romantik über Abenteuerlust bis zum Drang nach Selbstzerstörung.
Die Initiatoren und Veranstalter des Deutschen Jugendvideopreises bieten jeweils ein altersübergreifendes Sonderthema an. In diesem Jahr konnte sich der filmische Nachwuchs zu „Welche Zukunft?“ eigene Gedanken machen.
Die Produktionen, die hierzu eingereicht wurden, sind von pessimistischen Visionen geprägt: Deutschland ist zum Entwicklungsland verkommen, Gen-Konzerne beherrschen die Welt oder Kritik an einer alles beherrschenden Hektik und Oberflächlichkeit wird formuliert. Trotz aller Düsterheit der filmischen Aussagen werden die Themen gefühlvoll und sensibel behandelt. Zudem wird durch die Wahl des Genres ein durchaus hoffnungsvoller Gegenpol gesetzt, in dem letztlich der Spaß an der Filmarbeit zum Ausdruck kommt.
Formal entdeckt der Filmnachwuchs die Genre Dokumentation und Doku-Fiction. Parodien auf andere gängige Formen sind darüber hinaus ebenfalls kennzeichnend für den Festival-Jahrgang 2008. Bei diesem Trend stehen sowohl ähnliche Fernseh-Formate als auch Kinovorbilder Pate. Die überschwängliche Lust, mit der Kinder und Jugendliche ihre Vorbilder aufs Korn nehmen, setzt einen erfrischend humorvollen Gegenpol zu den eher pessimistischen Selbstbespiegelungen.
Die weiter gewachsene filmische Qualität ist zum einen der technischen Entwicklung geschuldet. Gleichzeitig tragen eine Vielzahl medienpädagogischer Angebote der aktiven Medienarbeit dazu bei, junge Menschen zum selbstbestimmten und souveränen Umgang mit „alten“ und „neuen“ Medien zu befähigen. Wettbewerbe wie der ‚Deutsche Jugendvideopreis‘ tragen in jedem Fall zum Erwerb von Medienkompetenz bei und machen aus passiven Konsumenten aktive Mediennutzer.
Das Bundesfestival Video findet vom 13.-15. Juni in Ludwigsburg statt. Partner des Festivals sind: Die Stadt Ludwigsburg, die Filmakademie Baden-Württemberg, die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg, das Evangelische Medienhaus, das Landesmedienzentrum sowie die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg.
Infos:
www.kjf.de | www.jugendvideopreis.de | www.video-der-generationen.de
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